Meine Kunst entsteht auf der Basis von Büchern, Handschrift und viel Geduld in einer Zeit, in der das klassische Buch sowie die Handschrift vom Aussterben bedroht sind und die Zeit selbst als knappes Gut wahrgenommen wird.

Die Hinterfragung von zunehmenden Informationsströmen und Kollektivwissen in einer sich immer schneller wandelnden, rhythmisierten, überforderten, überarbeiteten und dennoch funktionierenden Zeit-Mensch-Maschine sowie die Hinwendung zur Bildsprache durch Fernsehen, Smartphones und Internet beschäftigen mich. Wir wissen mehr als je zuvor und dennoch nie genug, weil mehr Wissen auch immer mehr Unwissen generiert. Wie wirkt sich dies auf unser Denk- und Kommunikationsverhalten aus?

Meine Kernfrage lautet: Wie viel wissen wir wirklich? Und: Wie viel geben wir vor, zu wissen?

In meiner künstlerischen Praxis verbinde ich diese Fragen miteinander. Mein handwerkliches Werkzeug besteht meist aus Papier, Feder, Tinte, Tusche und Graphit und Naturmaterial; ästhetisch bildet das Zusammenspiel aus Masse, Dichte, Wiederholung, Rhythmus und Linie meinen Stil.

Meine Schriftbilder, die sich im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Überschreibung entwickelten und somit der Informationsüberladung gleichkommen sind durch ihre Vielschichtigkeit nicht mehr lesbar.

Ich übertrage den Inhalt eines Buches handschriftlich Wort für Wort. Dabei überschreibe ich dieses wie ein Palimpsest oder codex rescriptus, ein Manuskript das beschrieben, gereinigt und danach neu geschrieben wurde weil die Originaltexte als unwichtig erfahren wurden.
Das Überschreiben ist für mich geistiger und kreativer Prozess. Ich lese, versuche eine tiefere Kenntnis der Gedankengänge des Urhebers zu erlangen und verschlüssle die Information wieder. Währenddessen denke ich nach über die Zeit, in der die Bücher geschrieben wurden und versuche herauszufinden, welche Erkenntnisse wir auch heute noch teilen und welche inzwischen obsolet geworden sind. Der Informationsgehalt ist zwar spürbar, aber für den Betrachter unzugänglich. Was bleibt, ist nur die Zeit, die ich in diese Arbeit gesteckt habe.

Ich möchte Fragen über die heutige Zeit hervorrufen: Was wissen wir eigentlich? Was passiert, wenn wir nicht mehr lernen mit der Hand zu schreiben, wenn wir Handschrift nicht mehr lesen können? Wie zugänglich ist Wissen wirklich und wie viel wird uns vorenthalten? Wie viel wollen wir eigentlich wissen und ab wann stellen wir uns lieber blind und taub?

Meine Arbeiten basieren meist auf philosophischen Texten, von denen viele von uns es wagen könnten zu behaupten, über eine gewisse Kenntnis des Buches zu verfügen, ohne es jemals selbst gelesen zu haben, da ich bewusst philosophische Bücher auswähle, die Grundlage unserer heutigen westlichen Gesellschaft sind.